Warum löst CI Plus das alte CI ab?
Einleitung
CI+ ist eine Weiterentwicklung des ursprünglichen DVB-CI-Standards („Common Interface“) und wurde entwickelt, um bezahlte TV-Inhalte auf dem Weg vom Entschlüsselungsmodul (CAM) zum Fernseher oder Set-Top-Box sicher zu halten. Während das klassische CI nach EN 50221 entschlüsselte Streams völlig ungeschützt an den Host weiterreichte, bringt CI+ einen zusätzlichen Schutzmechanismus hinein, der Mitschnitte und unerlaubtes Kopieren wirkungsvoll erschwert.
Was macht CI+ anders als CI?
- Geschützter Übergang (Re-Scrambling)
- Bei CI wird das MPEG-TS (Transport Stream) nach der Entschlüsselung im Modul unverschlüsselt ins Gerät geleitet.
- CI+ hingegen scrambelt den Stream im Modul erneut (Re-Scrambling), sodass er erst im Host wieder entschlüsselt wird. Das verhindert, dass jemand den ungeschützten Stream abgreift.
- Gegenseitige Authentifizierung
- CI+ baut zwischen Modul und Host eine sichere Verbindung auf, in der beide Seiten ihre Identität mit Zertifikaten nachweisen.
- So kann nur ein zugelassenes Modul mit einer freigegebenen Set-Top-Box kommunizieren – Manipulationsversuche werden abgeblockt.
- Feinjustierung der Kopierschutzregeln
- Mithilfe sogenannter “Usage Rules” (z. B. Analogue/Digital-Beschränkungen, Wasserzeichen-Trigger, Speicherdauer-Limits) kann genau gesteuert werden, wie und ob Inhalte abgespielt, aufgenommen oder weitergegeben werden dürfen.
- Diese Regeln werden verschlüsselt vom Modul an den Host übermittelt und dort durchgesetzt.
Die eingesetzte Kryptographie
- Zertifikate & Schlüsselaustausch
- Beide Seiten verwenden X.509-Zertifikate (meist mit RSA-Signaturen), um ihre Echtheit zu belegen.
- Die Schlüsselvereinbarung erfolgt per Diffie-Hellman, sodass ein gemeinsamer Sitzungsschlüssel entsteht, ohne dass er jemals unverschlüsselt übertragen wird.
- Secure Authenticated Channel (SAC)
- Sämtliche Nachrichten zwischen Modul und Host laufen verschlüsselt und mit Integritätsprüfung (MAC) ab.
- Typischerweise kommt AES-128 im CBC-Modus für die Verschlüsselung und SHA-256-basierte MACs für die Authentizität zum Einsatz.
- Content Control Key (CCK)
- Der wiederverschlüsselte Transport-Stream nutzt je nach Gerät AES-128 (vorzugsweise) oder – aus Kompatibilitätsgründen – auch noch DES-56 im ECB-Modus.
- Zwei Schlüssel (odd/even) wechseln sich zyklisch ab, um ein Abgreifen längerfristiger Muster zu verhindern.
Vorteile von CI+
- End-to-End-Schutz: Der TV-Inhalt bleibt bis ins Host-Gerät verschlüsselt.
- Flexibles Kopierschutz-Management: Feineinstellungen für Aufnahme- und Weitergaberechte.
- Interoperabilität: CI+-Module und Hosts können auch auf reines CI zurückfallen, wenn eines der beiden Geräte kein CI+ unterstützt.
- Zukunftssicherheit: Zertifikatsverwaltung und Update-Mechanismen erlauben schnelle Sperrung kompromittierter Geräte und Erweiterungen für neue Dienste (z. B. VoD).
Nachteile und potenzielle Schwachstellen
- Komplexität und Kosten: Hosts und Module müssen zusätzliche Crypto-Hardware oder -Software sowie eine Zertifikatsinfrastruktur vorhalten.
- Performance-Overhead: Die permanente Verschlüsselung/Entschlüsselung belastet die Hardware und kann zu spürbaren Verzögerungen oder höheren Kosten führen.
- DES-Option: Manche Geräte unterstützen aus Kompatibilitätsgründen noch DES-56. Dieser Standard ist heute aber leicht angreifbar und sollte nicht mehr verwendet werden.
- Abhängigkeit von PKI: Werden Root- oder Zwischenzertifikate kompromittiert, kann das gesamte Vertrauenssystem bedroht sein.
- Usability: Häufige PIN-Abfragen oder Zertifikats-Updates können Endnutzer verunsichern oder stören.



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