Was wurde aus?
Seit den frühen 1990er-Jahren schützt Conditional Access (CA) bei DVB-S und DVB-C die Bezahlfernsehen-Angebote vor unbefugtem Empfang. Über die Jahre haben sich zahlreiche Systeme etabliert, wurden weiterentwickelt, verkauft oder gerieten in Vergessenheit. Im Folgenden ein Überblick der wichtigsten CA-Systeme in Europa – von ihren Anfängen bis zu ihrem heutigen Status.
Was ist DVB-Conditional Access?
Unter Conditional Access versteht man bei DVB die Kombination aus Stream-Scrambling (mit dem Algorithmus DVB-CSA) und der Verschlüsselung der Control Words (kurze Schlüssel, die alle paar Sekunden wechseln) in sogenannten ECMs (Entitlement Control Messages). Berechtigte Receiver entschlüsseln die Control Words mit einer Smartcard, die ihre Nutzungsrechte in EMMs (Entitlement Management Messages) vermittelt. Dieses Prinzip erlaubt Sendern, Inhalte nur zahlenden Abonnenten zugänglich zu machen.
Wichtige CA-Systeme in Europa
Cryptoworks
Entwickelt von Philips CryptoTec und ab 1996 auf Astra im Einsatz. Wurde u. a. von ORF, Ziggo und UPC Direct genutzt. 2006 wurde Cryptoworks an Irdeto verkauft.
Irdeto
Gegründet 1969 in den Niederlanden, heute Teil der Naspers-Gruppe. Bietet Smartcards und softwarebasierte CA-Lösungen. 2006 übernahm Irdeto Philips CryptoTec und damit auch Cryptoworks.
Betacrypt
Ein System der BetaResearch (Tochter von KirchMedia) speziell für die d-box-Receiver in Deutschland. Nach der Insolvenz der KirchGroup 2002 verlor Betacrypt an Bedeutung; technisch wurde es von Irdeto weitergepflegt, der Name ist kaum noch präsent.
Nagravision
Von der Schweizer Kudelski-Gruppe 1995 als digitales CA-System eingeführt – Nachfolger des analogen „Syster“-Verfahrens. Wird heute in mehreren Generationen (aktuell Nagravision 3 und später) weltweit eingesetzt.
NDS VideoGuard
Entwickelt von der NDS Group (später Cisco) ab 1998, vor allem für Sky-Plattformen. 2018 wurden die Videosolutions an Permira/Synamedia verkauft.
MediaGuard (SECA)
1996 von der Canal+-Tochter SECA eingeführt. 2003 kaufte Thomson große Teile von Canal+ Technologies. MediaGuard ging an Nagra France, der Interactiv-TV-Bereich an NDS.
BISS (Basic Interoperable Scrambling System)
Offener Standard der EBU für Satelliteneinspeisungen seit 2002. Keine kommerzielle CA, wird aber bis heute für News- und Sport-Feeds genutzt.
PowerVu
Profi-CA für Studios und Kabel-Headends, 1998 von Scientific-Atlanta eingeführt. Gehört seit 2005 (Übernahme durch Cisco) zum Cisco-Portfolio und läuft weiterhin in Broadcaster-Umgebungen.
Wer hat überlebt, wer wurde verkauft?
| System | Ursprünglich von | Heutiger Status |
|---|---|---|
| Cryptoworks | Philips CryptoTec | 2006 an Irdeto verkauft |
| Irdeto | Irdeto Access BV | Teil der Naspers-Gruppe |
| Betacrypt | BetaResearch (KirchMedia) | Technisch weiter von Irdeto betreut; Name kaum noch aktiv |
| Nagravision | Kudelski-Gruppe | Aktiv, aktuell Nagravision 3 und später |
| VideoGuard | NDS Group (News Corp) | 2012 an Cisco; 2018 an Permira/Synamedia |
| MediaGuard/SECA | Canal+ (SECA) | 2003 an Thomson → MediaGuard bei Nagra France; Interactiv-TV bei NDS |
| BISS | EBU | Offener Standard, weiterhin im Einsatz |
| PowerVu | Scientific-Atlanta | Seit 2005 Teil von Cisco |


